Brundibar 2017

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Eine musikalisch-historische Spurensuche zum Holocaust

Projektidee:

Im Zentrum des Projektes steht die im KZ Theresienstadt vielfach aufgeführte Kinderoper Brundibár des Komponisten Hans Krása (1899-1944), die den Ausgangspunkt für eine geschichtliche und musikalische Auseinandersetzung mit dem Holocaust bilden soll. Die Schülerinnen und Schüler des Schulorchesters und Chors erarbeiten dabei sowohl das Stück selbst als auch den entstehungs- und wirkungsgeschichtlichen Kontext. Ziel ist es, nicht nur die Musik wiederaufleben zu lassen, sondern in Form eines Rahmenprogramms auch deren historische Bedeutung vor dem Hintergrund des Lageralltags von Theresienstadt sowie die individuelle Perspektive der Jugendlichen auf die Vergangenheit zu präsentieren. Krásas Komposition bildet dabei den Kristallisationspunkt für eine Reihe von Fragen, die im alltäglichen Geschichtsunterricht und erst Recht im Musikunterricht kaum beantwortet werden. Fragen, die vor allem versuchen das Unvorstellbare des Holocaust zu verstehen. Insbesondere die Sicht der Betroffenen: Was haben die Gefangenen in den KZ-Lagern gefühlt und gedacht? Wie hat man überlebt? Welche Bedeutung hatte die Kunst und Kultur für ihr Leben im Holocaust? Wie konnte man Widerstand leisten? Gab es eine Gemeinschaft in den Lagern?
Der fachverbindende und künstlerische Zugriff auf das Thema Nationalsozialismus und Holocaust öffnet neue Zugänge, die durch den stark emotionalen und konkreten Charakter der Projektarbeit langanhaltende und individuelle Denkprozesse in Gang setzen können. Vor allem vermittelt die Aufführungsgeschichte – bei aller mit den Einzelschicksalen vieler historisch Beteiligter verbundenen Tragik – eine positive Botschaft für die Jugendlichen: Die Kraft der Gemeinschaft im Musizieren und der damit verbundene tiefere Sinn für das (Über-)Leben setzte den nicht nur musikalischen Kontrapunkt zum Wahnsinn des menschenverachtenden KZ-Alltags.

  „Für uns war es etwas ganz Außerordentliches. Es war ein Ereignis, denn es war etwas, das uns an das normale Leben erinnerte." (Überlebende Dagmar Lieblová über die 'Brundibár'-Aufführung in Theresienstadt)

Eine Kraft, die die Jugendlichen im eigenen Musizieren freilich in ganz anderen Zeiten, dennoch im Kern ähnlich durch die erarbeitete Aufführung erleben können. Die Tatsache, dass es damals Kinder und Jugendliche gespielt haben, erleichtert die bei diesem Thema ohnehin schwierige Perspektivenwahrnehmung; die Projektteilnehmer sind im ähnlichen Alter, können so gut die Sorgen und Nöte nachvollziehen.

Projektbeteiligte

Der Gesamtcharakter des Projekts zielt auf neue Formen des Lernens, die insbesondere informelle Lernsituationen und Lernorte favorisieren, um den gewöhnlichen schulisch-formalen Rahmen des Lernens (u.a. Bewertung, Lehrer-Schüler-Rollen) aufzuweichen. Neben anderen Arbeits- und Lernkulturen und neuen Orten bringen gerade die dort tätigen Experten (Gedenkstättenpädagogen, Musiker, Zeitzeugen u.a.), sinnvolle Impulse ein. Auch über die Kooperation mit der städtischen Musikschule und weiteren regionalen Bildungspartnern soll der übliche schulische Rahmen erweitert werden, so dass die Teilnehmer den besonderen Wert regionaler kultureller Bildung als Ressource für lebenslanges Lernen exemplarisch erleben können.
Die Zusammenstellung der Schülerinnen und Schüler ergibt sich einerseits aus dem Produkt einer musikalisch-historischen Erinnerungsreise und ist andererseits getragen vom Gedanken eines kooperativen Lernens über Alters- und Jahrgangsstufen hinweg getragen. Die älteren ProjektteilnehmerInnen werden zu bestimmten Phasen als Mentoren der jüngeren Projektteilnehmer fungieren. Die Beteiligung ausgewählter Kurse der Musikschule verstärkt zudem die Mischung der Teilnehmer – trägt damit zur Perspektiverweiterung der Projektarbeit bei.
Auch im Hinblick auf die beabsichtigte Reichweite des Projektes (öffentliche Aufführung) kooperieren folgende Bildungspartner im Projekt:

·         Ev. Gymnasium Siegen-Weidenau:

o  Orchester (40 Schülerinnen und Schüler der Jg. 5 – Q 2)

o Unterstufenchor/ Gesangsklassen (50 Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen)

o  Theatergruppe

·         Musikschule Siegen (Frau Löbbecke; ca. 15 Schülerinnen und Schüler)

·         Gedenkstätte Theresienstadt

·    Fachliche und fachdidaktische Begleitung des Projekts: Universität Siegen, Didaktik der Geschichte (Dr. J. Aspelmeier) und Musikpädagogik (Benjamin Eibach)

Projektverlauf

Der Projektzeitraum erstreckt sich über ein Schuljahr (2016/17) und ist in folgende Phasen unterteilt, die je nach Zielsetzung noch einmal binnendifferenziert werden, da einzelne Bausteine aus organisatorischen, vor allem aber aus entwicklungspsychologischen Gründen nicht für die Gesamtgruppe geeignet sind. Die gegenseitige altersangemessene Präsentation der Arbeitsergebnisse gewährleistet jedoch immer wieder Einblicke in und Austausch zur Arbeit der Teilprojekte:

1. Phase August 2016: Thematische Annäherung

2. Phase August – Oktober 2016: Spurensuche –  Theresienstadt: Ich will leben!

a.   Im Rahmen einer Exkursion (5-6 Tage) mit Zeitzeugenbegegnung (Beginn des Schuljahres; nur für die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 9. – Q 2 bzw. Jugendliche ab 14 Jahren)

b.  Im Rahmen sachlich-thematischer Arbeit mit altersadäquaten Medien und Methoden (z.B. „Spielzeugland“), die schwerpunktmäßig Verlust, Trauer, Entwurzelung, Familie sowie historische Eckdaten und Fakten aufarbeiten

3. Phase November – Februar 2016/17: Nachbereitung, Verarbeitung und Transfer

a. Theater-Gruppe: Erarbeitung der Aufführungsgeschichte auf Basis des Jugendromans

b.    Musiker: Erarbeitung der Kinderoper Brundibár

c.  Gesamtgruppe: individuelle Eindrücke, die in  kleinen Kurzfilmen verarbeitet werden

d.    Gemeinsames Probenwochenende (10.- 12.03.2017 Jugendherberge Biggesee)

4. Phase Februar/März 2017: Zusammenstellung der Einzelaktivitäten zum Abend- und Rahmenprogramm; finale Produktion des Dokumentarfilms zur Projektarbeit (Uni Siegen)

Termin:  in der Woche vom 27. – 31. März 2017, geplante Aufführung im Apollo-Theater (ggfs. alternativer Ort)

Ansprechpartner: Jens Aspelmeier, aspelmeier@remove-this.uni-siegen.de; Cordula Reimers, c.oliver@remove-this.gmx.de